Dr. phil. Gabriel Duttler

 

Duttler, Gabriel (2012): Bindung an Gesundheitssport. Qualitative Analyse gelingender Bindung unter besonderer Beachtung der Sportfreude. Göttingen 2012. ISBN: 9783954043132

 

 

Expose zur Doktorarbeit

Zur Bedeutung der Sportgreude im Kontext gesundheitsförderlicher Aktivität

 

Ausgangspunkt der Studie bildet die aus allen Feldern des Gesundheitssports bekannte Dropoutproblematik, welche die Schwierigkeit vieler Menschen beschreibt, sich an gesundheitsförderliche körperliche Aktivität zu binden. Viele Studien zeigen jedoch, dass Bewegungsprogramme nur dann die erwünschten gesundheitlichen Effekte bewirken, wenn sie regelmäßig über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden (Pahmeier 2008). Aus einer pädagogischen Warte heraus wird in diesem Kontext ein in der Motivationspsychologie durchaus bekanntes Konstrukt fokussiert: die Sportfreude. Die Sportfreude (engl. Enjoyment) wird von vielen Menschen als ursächlich für ihre Bewegungsaktivitäten beschrieben und findet sich auch in der Fachliteratur als eine die Bindung an körperliche Aktivität fördernde Determinante wieder (Scanlan, Carpenter, Schmidt, Simons & Keeler 1993). Zudem erscheint es aus salutogenetischer Sicht möglich, über die Sportfreude die Gesundheit im Sinne einer Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität direkt positiv zu beeinflussen (Prohl 2010).

 

Forschungsfrage

 

Die Sportfreude ist unbestritten ein sehr wichtiger Faktor für die Bindung an körperliche Aktivität und für die individuelle Gesundheit. Unklar bleibt jedoch, was hinter diesem recht abstrakten Begriff steckt. Daher wird im empirischen Teil der Studie versucht, eine Eingrenzung und Operationalisierung dieses Begriffs vorzunehmen sowie die zugrundeliegenden auslösenden Momente zu ergründen.

 

Anlage der Studie

 

Als Zielgruppe der Untersuchung fungieren Langstreckenläufer, die seit Jahren regelmäßig laufen und auch an Volksläufen teilnehmen. Hierbei wird bezüglich der Bindungsforschung in Deutschland ein Neuansatz beschrieben, indem ein Personenkreis gewählt wird, der eindeutig als „gebunden“ an seine Sportart angesehen werden kann. Denn nur bei diesen Menschen kann direkt der Zusammenhang zwischen Sportfreude und Bindung an körperliche Aktivität erforscht werden. Der Bezug zwischen Ausdauer- und Gesundheitssport ist dabei nicht zuletzt wegen der positiven physiologischen und psychologischen Wirkungen des erstgenannten sehr eng. Darüber hinaus scheint die Zielgruppe in dieser Studie deswegen geeignet, weil die zu untersuchende Bindungsthematik gewissermaßen das Kernthema von Ausdauersportarten beinhaltet: eine langfristige und kontinuierliche Beschäftigung mit einer bestimmten Sache. Zudem kann aus salutogenetischer Sicht letztlich jede Sportart als gesundheitsfördernd im Sinne der individuellen Ressourcenstärkung bezeichnet werden. Die beschriebene Stichprobe gebundener Läufer wird über qualitative Leitfadeninterviews bezüglich ihres Erlebens und der Quellen ihrer Lauffreude befragt. Mittels der Grounded Theory Methodologie werden die empirischen Daten im Sinne einer Theoriebildung verdichtet.

 

Ergebnisse

 

Sieben übergreifende auslösende Quellen der Sportfreude können in den Daten entdeckt und beschrieben werden- Darauf aufbauend wird als Perspektive der Inszenierung eines Gesundheitssports mit großer Sportfreude das Modell der koordinativen Funktionen (vgl. Hotz &Lange 2009) präsentiert. Von diesem ausgehend werden weiterführende Trainings- und Inszenierungsprinzipien abgeleitet.

 

Literatur

 

Hotz, A. & Lange, H. (2009). Wie wird Bewegungskoordination trainiert? In V. Scheid, R. Prohl & H. Lange (Hrsg.), Trainingslehre (Kursbuch Sport, / begr. von Peter Röthig; Stefan Größing ; 2, S. 161–176). Wiebelsheim: Limpert. Pahmeier, I. (2008). Partizipation, Bindung und Dropout im Freizeit-, Breiten- und Gesundheitssport. In J. Beckmann, M. Kellmann & N. Birbaumer (Hrsg.), Anwendungen der Sportpsychologie (Enzyklopädie der PsychologiePraxisgebieteSportpsychologie, / in Verbindung mit der Deutschen Gesellschaft für Psychologie hrsg. von Niels Birbaumer … ; Themenbereich D; Ser. 5; Bd. 2, S. 425–497). Göttingen: Hogrefe Verl. für Psychologie. Prohl, R. (2010). Grundriss der Sportpädagogik (3., korrigierte Aufl.). Wiebelsheim: Limpert. Scanlan, T.K., Carpenter, P.J., Schmidt, G.W., Simons, J.P. & Keeler, B. (1993). An introduction to the sport commitment model. Journal of Sport & Exercise Psychology, 15 (1), 1–15.

Zur Bedeutung der (Sport)Freude im Kontext gesundheitsförderlicher körperlicher Aktivität