Kämpfen und Gewaltprävention

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Kämpfen-lernen als Gelegenheit zur Gewaltprävention!?

Das Gewaltthema ist gegenwärtig ebenso aktuell wie die drängenden Fragen nach den Möglichkeiten der Gewaltprävention offen bleiben. Im Sport wird in diesem Zusammenhang ein gewisses Wirkungspotenzial vermutet. Dabei scheinen die einschlägigen motorischen und zwischenmenschlich-sozialen Anforderungen des Kämpfens und der Kampfsportarten ganz besonders dafür prädestiniert zu sein, Haltungen herauszubilden und Kompetenzen zu entwickeln, die dazu geeignet scheinen, den Umgang mit überschüssiger Energie, Gewaltbereitschaft, Aggressionen und anderen „Irrungen“ in eine konstruktive, erzieherisch gewünschte Richtung zu wenden.

Diese Vermutung bringt uns geradewegs in die Sphäre der Sporterziehung, denn angesichts der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen und mit Blick auf die traurigen Momente diverser Eskalationen von Gewalt in der Schule interessieren die Methoden und Möglichkeiten der Gewaltprävention im Sport ganz besonders. Im Kämpfen und den Kampfsportarten bieten sich nahe liegende Möglichkeiten die Grenzen des eigenen Körpers herauszufinden. Dabei werden die Kraft und Geschicklichkeit der Kämpfer immer im Zuge eines dialogischen Prozesses mit einem Partner entfaltet. Dabei relativiert der Kampfpartner jeden Krafteinsatz, jede Technik und jede Strategie seines Gegenüber. Er provoziert oder kontert Angriffe und versucht auf diese Weise nicht nur seinen eigenen (sicheren) Standort, sondern auch den des Partners jederzeit in den Griff zu bekommen. Diese Aufgabe gilt es während jeder Situation des Kämpfens variabel herauszufinden, weshalb sich Kämpfer auf ihre (Körper-)wahrnehmung und sensible Kraftentfaltung verlassen und diese permanent schulen müssen. Die dabei an den Tag gelegte Sensibilität muss sich immer auch auf den Körper und das Handeln des Partners beziehen, weshalb wir das Kämpfen auch als Möglichkeit verstehen können den Anderen und Fremden zu begegnen und ihn hautnah kennen zu lernen. Derartige Vermutungen zur Sachstruktur des Kämpfens wecken die wissenschaftliche Neugierde der Sportpädagogik. Wir wollen herausfinden wie genau die oben angedeuteten Sachstrukturen ausschauen und wie sie zusammenhängen. Dabei interessieren wir uns vor allem für die Analyse der aus pädagogischer Sicht relevanten Sachstruktur des Kämpfens, um sie für die Belange der Gewaltprävention einordnen und fruchtbar machen zu können.

Der Forschungszusammenhang ist in zwei Teilprojekte differenziert. Wir untersuchen einerseits die gewaltpräventiven Funktionen des „Kämpfen – lernens“ in der Schule und konzipieren darüber hinaus in einer zweiten Studie ein Interventionsprogramm für gewaltauffällig gewordene Jugendliche, die mithilfe des „Kämpfen-Themas“ in den Bereichen Empathie, Sozialverhalten, Körpererfahrung, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit betroffen gemacht werden.