Matthias Engel

Kurzexpose zum Promotionsprojekt

Jonglieren als Maßnahme  der Primärprävention und Gesundheitsförderung – Konzeption und Evaluation

 

Gesundheit ist in unserer modernen Gesellschaft ein allgemein anerkanntes und erstrebenswertes Ziel (Weiss, 1997, S. 11) sowie ein zentraler Wert (Schmidt-Semisch & Paul, 2010, S. 7); für viele Menschen sogar der höchste aller Werte (Troscke, 2008, S. 20). Ausgehend vom bio-psycho-sozialen Menschenbild (Engel, 1977) ist demgemäß die Psyche ein essentieller Bestandteil der Gesundheit. In dem bio-psycho-sozialen Modell sieht Israel (1995) die Psyche als vermittelndes Regulativ zwischen den biotischen Grundlagen und den sozialen Bedingungen. Ebenso ist die Psyche eine nicht mehr wegzudenkende Komponente in der Triade der Gesundheitsdefinition der WHO (1986) und findet allgemeine Akzeptanz als Indikator der Gesundheit. Die Psyche kann in verschiedene Bereiche gegliedert werden (Maurer, 2010, S. 13). Ein Bereich ist jener der Kognition. Neisser, der Begründer der kognitiven Psychologie, definiert diese wie folgt: „Cognition refers to all processes by which the sensory input is transformed, reduced, elaborated, stored recovered and used.“ (1967, p. 4). Die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit gelten als zentrale Themen der kognitiven Psychologie (Wentura & Frings, 2013, S. 12) und Basisleistung kognitiver Prozesse. Die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit besitzen seit jeher zur Bewältigung des Lebens und für „den Fortschritt des menschlichen Verstandes“ (Darwin, 1966, S. 90) eine große Bedeutung. Gerade in der heutigen Zeit erzeugt die Informationsflut einen Mangel an Aufmerksamkeit. Bereits im Jahr 1971 schrieb der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Herbert Simon über das Zusammenspiel von Aufmerksamkeit und Information: "...in an information-rich world, the wealth of information means a dearth of something else: a scarcity of whatever it is that information consumes. What information consumes is rather obvious: it consumes the attention of its recipients. Hence a wealth of information creates a poverty of attention and a need to allocate that attention efficiently among the overabundance of information sources that might consume it." (p. 40). Daher haben durch Wettbewerbsdruck, Internationalisierung und Einbindung neuer Technologien psychische Belastungen am Arbeitsplatz zugenommen (Flake, 2001; Lenhardt, 2005).

Um die gestiegenen Anforderungen bei physischer und psychischer Gesundheit bewältigen zu können, ist die Beachtung primärpräventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen unabdingbar. Als eine allgemein anerkannte Möglichkeit der Prävention und Gesundheitsförderung, deren Wirksamkeit in zahlreichen Studien nachgewiesen werden konnte, gilt die körperliche Aktivität (u.a. Lippke & Vögle, 2006, S. 195). Eine besondere Form dieser wiederum stellen die Bewegungskünste dar. Die Bewegungskunst, ist das „Spielen mit der Bewegung im Hinblick auf die Wirkung beim anderen, idealtypisch gesehen auf eine erotische, erheiternde oder furchteinflößende und zugleich –lösende Wirkung. Als solche ist sie keine exklusive Bestimmung irgendwelcher Bewegungsgebiete, sondern eine prinzipiell überall mögliche Interpretation von Bewegungssituationen“ (Funke-Wieneck, 1987, S. 16). Eine sehr populäre Bewegungskunst ist die Jonglage, und hier spezifisch die Balljonglage. Dieser werden viele positive gesundheitsförderliche Effekte, vor allem auf die kognitiven Funktionen zugesprochen; zumeist jedoch ohne wissenschaftlichen Nachweis. Daher soll mit dieser Arbeit ein erster Schritt zur fundierten Untersuchung der Balljonglage bzgl. der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit unternommen werden. Des Weiteren finden die Bewegungskünste als Bewegungsmöglichkeit in den aktuellen Präventionsangeboten keine Anwendung, sodass eine Integration beabsichtigt wird. Ebenso findet der Bereich der Psyche, und hier speziell die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, keine spezifische Schwerpunktlegung in den aktuellen Präventionsangeboten. Aus den genannten Gründen wird ein zehnwöchiger Jonglagekurs gemäß den Richtlinien des Leitfadens Prävention (2010) konzipiert. Weiterhin soll untersucht werden inwieweit sich dieser zehnwöchige Jonglagekurs auf die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit der gesunden Probanden (Alter 18-60 Jahre) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die einen primärpräventiven Rückenkurs absolviert, und einer Nullgruppe auswirkt. Zuvor erfolgt eine Querschnittsuntersuchung zwischen Jongleuren und Nicht-Jongleuren bzgl. der genannten psychologischen Konstrukte. Aufgrund der Haupt- und Nebengütekriterien psychologischer Testverfahren sowie des Forschungsinteresses werden der d2-R- und der KLT-Test verwendet.