Thomas Leffler

Kurzexpose zum Promotionsprojekt

Kämpfen-lernen als Gelegenheit zur Gewaltprävention?!

 

Wir gehen von der Annahme aus, dass Rangeleien schon immer das Bild von Schulhöfen, Schulwegen und anderen Plätzen, wo Kinder und Jugendliche sich bewegen, geprägt haben. Wir meinen weiterhin, dass dieses Bewegungshandeln der urwüchsigen Natürlichkeit dieses Sich-Bewegens geschuldet ist und den Kindern und Jugendlichen dabei hilft, ihre Grenzen zu erfahren, ihre Selbstwirksamkeit einzuschätzen und den Bewegungsdrang zu stillen. In diesem Zusammenhang muss geprüft werden, wie Kinder dieses Raufen erleben, wie sie es erlernen, wie und weshalb sie es zum Thema machen, wann und weshalb welche Grenzen erfahren und überschritten werden, ob und wie Kinder hierbei Gewalterfahrungen sammeln usw. In Hinblick auf die Gewaltproblematik ist zu vermuten, dass „gefährdete“ Kinder und Jugendliche ihre Kraft nicht richtig einschätzen können, deshalb im wahrsten Sinne des Wortes über die Stränge schlagen und nur wenig Empathie mit ihren Opfern aufbringen können. Um dem entgegen zu wirken, wollen wir die Kinder und Jugendlichen das richtige Kämpfen - sprich das faire kämpferische Sich-Bewegen mit einem Partner - erleben lassen, damit sie die erzieherischen Potenziale des Kämpfen, Ringen und Raufens (wie das Bewegungs- und Erfahrungsfeld in den Lehrplänen vieler Bundesländer betitelt und verankert ist) am eigenen Leib und in der direkten Auseinandersetzung mit einem Gegenüber (verstanden als Partner, nicht als Gegner) erfahren können. Hierzu zählen unter anderem das Begreifen des Gegenübers als Partner, Übernahme der Verantwortung für den Partner, Aushandeln verbindlicher Regeln, Eingehen und Ertragen direkten Körperkontakts, direkte Auseinandersetzung und somit unmittelbare Rückmeldung auf die Selbstwirksamkeit sowie das Begreifen unterschiedlichster Kampfkünste als sportspezifische Kulturgüter.

Axel Binhack (1998) hat die Phänomenologische Sachstruktur des Zweikampfs herausgestellt. Zu prüfen ist, ob und wie sich diese Sachstruktur im Setting Schulsport verändert bzw. verändern muss, um den Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Hierzu soll über qualitative Interviews mit Kindern in einer Kämpfen-AG deren Sichtweise auf das Zweikampfgeschehen erhoben werden.

 

Erkenntnisinteresse:

In wie weit findet sich die (durch Interviews mit Kämpfern zum Setting Leistungssport zu prüfende) phänomenologische Struktur des Kämpfens im Setting Schulsport wieder bzw. wo muss das Kämpfen eingeschränkt/abgewandelt werden, um den pädagogischen Ansprüchen der Institution Schule zu genügen und welche Auswirkungen hat dies auf die phänomenologische Struktur des Kämpfens? Mit den gewonnenen Erkenntnissen könnten sich gezieltere Aussagen (bspw. Themenkonstitution und Inhaltsfrage) zum Bewegungsfeld Kämpfen in den Lehrplänen treffen und begründen lassen.